Deformitätenkorrektur mittels „Taylor Spatialframe“ und computergesteuertem Ilizarov-System am LKH Gmunden
Krumme, verdrehte oder ungleich lange Arme und Beine, unter denen die Betroffenen entweder von Geburt an oder als Unfallfolge leiden, stellen nicht nur ein kosmetisches und psychisches Problem dar. Derartige Knochenfehlstellungen führen auch zu Beschwerden am Bewegungsapparat, zu Rücken- und Gelenksschmerzen sowie zu Arthrosen. Solch komplizierte Fehlstellungen, aber auch schlecht heilende Brüche, können an der orthopädischen Abteilung des Landes-Krankenhauses Gmunden mit Hilfe eines computergesteuerten Apparates, dem „Taylor Spatialframe“, einem weiterentwickelten Ilizarov-System, korrigiert werden.
„Die Technik kam bereits in den 80iger Jahren aus der damaligen UDSSR nach Europa und ist nach ihrem Erfinder Ilizarov benannt. Er revolutionierte die Korrektur von fehlgestellten Gliedmaßen durch ein ausgeklügeltes Ringsystem“, erklärt OA Dr. Karl Schellmann.
So wie die Achse eines Speichenrades wird der durchtrennte Knochen in Metallringen über gespannte Drähte stabilisiert. Über diese Ringverbindungen kann nun die Knochenneubildung in gewünschter Richtung gesteuert werden.
Auf diese Art sind Längen-, Achs- und Drehkorrekturen möglich. Neu ist, dass für diese Korrektur nun auch der Computer aktiv mithilft: „Wir nutzen heute ein Hexapodensystem. Das heißt, dass die beiden Ringe mit sechs in der Länge veränderbaren Stäben verbunden werden. Eine eigene Software rechnet dann die geplante Korrektur in die notwendige Stablängenveränderung um. Dieser Taylor Spatialframe stabilisiert den Knochen und lässt die sich neu bildende Knochenmasse millimetergenau richtig wachsen“, beschreibt Prim. Dr. Reinhold Dallinger die neue Prozedur.
Obwohl sich mit dem Taylor Spatialframe und dem Ilizarov-System neue Möglichkeiten für die Betroffenen auftun, müssen Belastungen und Risken abgewogen werden: „Eine Beinverlängerung ist nur um einen Millimeter pro Tag möglich. Das Festwerden des Knochens dauert weitere zwei bis drei Tage pro Millimeter. Eine Verlängerung um drei Zentimeter benötigt damit vier bis sechs Monate. Ein externes Stabilisierungssystem muss diese Zeit über am Patientenbein montiert bleiben. Das heißt für den Patienten tägliches Reinigen der Wunden und des Apparates, Einschränkungen in der Mobilität und Kleidung sowie regelmäßige Kontrollen beim Arzt“, gibt Prim. Dallinger zu bedenken.
Sind diese Umstände für die PatientInnen klar und ist die Entscheidung für einen Eingriff gemeinsam mit den SpezialistInnen getroffen, steht der Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen nichts mehr im Weg.
