Altersmedizin: Die Herausforderung der Zukunft
Die demografische Entwicklung unterstreicht, dass ältere Menschen mit ihren individuellen Bedürfnissen vor allem in Zukunft einen zentralen Stellenwert einnehmen werden. Vor allem hinsichtlich der medizinischen Versorgung und den unzähligen Besonderheiten älterer Menschen ist es notwendig, eine dementsprechend adäquate Altersmedizin zu gewährleisten. Das Zentrum für Akutgeriatrie und Innere Medizin Buchberg hat sich genau auf diese spezielle Form der medizinischen Betreuung spezialisiert. Zeit die Geriatrie (= Altersheilkunde) und deren Herausforderungen für die Zukunft einmal näher unter die Lupe zu nehmen.
Die Daten aktueller Bevölkerungspyramiden spiegeln wider, dass der Anteil der über 60-Jährigen in der Gesamtbevölkerung von derzeit 20 % auf 35 % ansteigen wird. Mit anderen Worten gab es im Jahr 2003 1.7 Mio. über 60-Jährige – 2025 sprechen die Experten bereits von 2.9 Mio. Menschen, die über 60 Jahre alt sind. Der Spruch von Albert Einstein „Der Wert einer Gesellschaft wird einmal daran gemessen werden, wie sie ihre Alten behandelt haben“ beweist, dass es zukünftig verstärkt notwendig sein wird, die individuellen Veränderungen und Erfordernisse im Alter zu beachten und dem an sich natürlichen Prozess des älter werden mit besonderem Wissen zu begegnen.
Die Besonderheiten älterer PatientInnen
Nicht zuletzt auf Grund der unzähligen Besonderheiten des älteren Menschen hat sich der Begriff der Geriatrie (= Altersheilkunde) entwickelt. Die Geriatrie befasst sich mit Gesundheitsförderung, Prävention, Diagnostik, Therapie und Remobilisation zur Vermeidung von Pflegebedürftigkeit. Prim. Dr. Peter Dovjak, Ärztlicher Leiter am Zentrum für Akutgeriatrie und Innere Medizin Buchberg über die erwähnten „Besonderheiten“ älterer PatientInnen: „Entsprechend der natürlichen Entwicklung vermindern sich im Alter zum Einen die Organreserven – sprich die Fähigkeit auf extreme Belastung zu reagieren (z. B. Belastung der Nieren, Herz-Kreislauf oder Gehirn). Zum Anderen gilt es, bei alten Menschen die Problematik der Vielfacherkrankungen (= Multimorbidität) zu erwähnen.
Die Reserven der Muskelfunktion sind vermindert, die Knochen und Gelenke verändern sich und der ältere Patient ist im akuten Krankheitsfall besonders gefährdet, bettlägrig zu werden. Diese Bettlägrigkeit kann wiederum Druckgeschwüre, Infektionen, Lungenentzündungen, Lungenembolien, Depressionen und rasche allgemeine Entkräftung mit Muskelschwund zur Folge haben. Die entstandene Bewegungsstörung (= Immobilität) führt außerdem in vielen Fällen zu funktioneller Blasenschwäche. Zusammenfassend kann somit aus einer wenig bedrohlich erscheinenden akuten Erkrankung eine Pflegebedürftigkeit, Abhängigkeit und ein Zusammenbruch des bisherigen sozialen, seelischen und körperlichen Gleichgewichtes entstehen.“ Im Fachjargon wurden diese Besonderheiten des Alterspatienten auch als die vier Giganten zusammengefasst: Instabilität (wiederholte Stürze), Immobilität (Bettlägrigkeit), Inkontinenz (Blasen- und Mastdarmschwäche) und intellektueller Abbau (Demenz, Depression).
Eine umfassende medizinische Disziplin: Die Geriatrie
Diese Komplexität der Bedürfnislagen älterer Menschen macht eine umfassende Diagnostik, Behandlung und Remobilisation mit einem ärztlich, pflegerisch und therapeutisch speziell geschultem Personal notwendig. Die Geriatrie ist jedoch keine Spezialisierung der Inneren Medizin sondern eine umfassende Disziplin, die Kenntnisse und Fähigkeiten auch aus anderen Fächern wie Neurologie/Psychiatrie, Urologie/Gynäkologie und Unfallchirurgie/Orthopädie voraussetzt.
Erfahrungen unterstreichen Notwendigkeit
Die Erfahrungen einer solch spezialisierten medizinischen Behandlung unterstreichen die Notwendigkeit geriatrischer Interventionsmaßnahmen. „Erfolgt eine Primäraufnahme auf geriatrischen Fachabteilungen und erfolgt die Behandlung aus einer Hand, so kann einerseits ein stufenweiser Ablauf von Folgekrankheiten verhindert und der gesamte Spitalsaufenthalt verkürzt werden. Internationale Studien dokumentieren darüber hinaus, dass es bei geriatrisch behandelten PatientInnen zu einer nachhaltigen und signifikanten Verbesserung der Selbstständigkeit und des seelischen Wohlbefindens kommt. Die Ergebnisse in unserem Haus zeigen, dass bereits nach 16 Tagen eine Verbesserung der Beweglichkeit und Selbstständigkeit festzustellen ist. Durch die Behandlung im interdisziplinären geriatrischen Team können viele PatientInnen, die vor der Aufnahme für ein Pflegeheim vorgemerkt waren, stattdessen ihr selbstständiges Leben zu Hause wieder aufnehmen.