LKH Gmunden: Führend bei Kreuzbandoperationen in Oberösterreich
Alle Jahre wieder zieht es tausende Wintersportler in die österreichischen Skigebiete, um sich einige Tage Spaß und Abwechslung beim Skifahren oder Snowboarden zu gönnen. Doch für viele endet die „Pistengaudi“ bereits früher als erwartet und nicht zuletzt oftmals im Krankenhaus. Übermut, Unkonzentriertheit und Müdigkeit sind nicht selten Auslöser für schwere Stürze, die häufig gravierende Verletzungen – wie etwa den Kreuzbandriss – zur Folge haben. Das LKH Gmunden behandelte in dieser Skisaison bereits 65 Wintersportler mit gerissenem Kreuzband, bis zum Winterende rechnen die Mediziner mit einem Anstieg auf 140. Obwohl im Durchschnitt „nur“ jedes zweite Unfallopfer operiert wird, liegt das Gmundner Spital bei Kreuzbandoperationen oberösterreichweit an der Spitze.
Gerade in Hinblick auf die kommenden Semesterferien in Oberösterreich rechnet das Akutkrankenhaus in den nächsten Wochen mit voll ausgelasteten Betten. Vor Kreuzbandrissen „gefeit“ ist im Grunde genommen niemand, denn auch bei Kindern sind derartige Verletzungen schon des Öfteren vorgekommen. Die Anzahl der Männer überwiegt bei Kreuzbandläsionen allerdings deutlich – dies ist laut OA Dr. Robert Pehn von der Abteilung für Unfallchirurgie des LKH Gmunden nicht zuletzt auf die zunehmende Risikoereitschaft der männlichen Bevölkerung zurückzuführen. „Selbstüberschätzung, Überstrapazierung und Unkonzentriertheit bilden die häufigsten Ursachen für Wintersportunfälle, aber auch die Bodenbeschaffenheit spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Heuer haben wir beispielsweise einen besonders weichen Schnee, der vor allem Carvern immer wieder zum Verhängnis wird, denn der Kantengriff ihrer Ski ist im weichen Schnee derart stark, dass Schwünge nicht jederzeit unterbrochen werden können. Die Folge: Der Unterschenkel wird bei leicht vorgebeugtem Knie nach außen gedreht und knickt gleichzeitig nach innen. Dieser Belastung hält das Kreuzband nicht stand und reißt“, erklärt Dr. Pehn.
Erste Anzeichen für einen Riss des vorderen Kreuzbandes sind ein so genannter „Schnalzer“ im Knie, eine Gelenksschwellung und ein Gefühl der Instabilität des Beines. Treten derartige Beschwerden auf, darf auf keinen Fall mehr weitergefahren werden. Dr. Pehn: „Wichtig ist, die betroffene Stelle gleich zu kühlen, ruhig sitzen zu bleiben und die Pistenwacht zu verständigen, die den Verletzten dann sicher nach unten bringt. Anschließend rate ich, sofort einen Arzt aufzusuchen, um etwaige Zusatzverletzungen wie Seitenbandrisse, blutige Gelenksergüsse oder Meniskusrisse, die oft begleitend zu Kreuzbandläsionen auftreten, feststellen zu können. Denn liegen keine Zusatzverletzungen vor und der Betroffene kann kontrolliert gehen, ist eine operationsfreie Behandlung mit Koordinationstraining und gezieltem Muskelaufbau meist ausreichend. Ist dies aufgrund hochgradiger Instabilität des Beines nicht der Fall, ist eine Operation ohnehin unumgänglich.“
Die Orthopäden und Unfallchirurgen des LKH Gmunden bevorzugen dabei den Kreuzbandersatz mit körpereigenem Gewebe, indem sie dem Oberschenkel des Patienten eine Sehne entnehmen. „Wir versuchen außerdem, vom körpereigenen, gerissenen Kreuzband so viel als möglich zu belassen, damit die Geschicklichkeit besser erhalten bleibt“, betont OA Pehn. Ein derartiger Eingriff dauert im Durchschnitt etwa 80 Minuten, wobei die Mediziner oberhalb und unterhalb des Knies den Knochen durchbohren, aufdehnen und schließlich die zu implantierende Sehne einziehen. Diese verwächst sich schlussendlich mit den Knochen und dem eigenen Kreuzband. Nach der Operation können die Patienten ihr Bein gleich wieder belasten, da eine seitlich des Knies angelegte Schiene ausreichend Schutz bietet. Der Heilprozess verläuft relativ schnell: Nach vier Wochen dürfen Kreuzbandpatienten bereits wieder Rad fahren, nach 10 Wochen sogar schon Laufen. Mit dem Skifahren heißt es allerdings etwas länger warten: Erst frühestens sechs Monate nach dem Eingriff ist der „Wedelspaß“ in den Bergen wieder möglich.

Die Sehne als Kreuzband präpariert.
Um es jedoch erst gar nicht so weit kommen zu lassen, gilt es einige wichtige Punkte zu beachten: „Ich kann nur jedem Ski- oder Snowboardfahrer raten, keinesfalls übermüdet eine Abfahrt zu wagen, da die Muskelspannung und Konzentrationsfähigkeit nachlassen und somit die Sturzgefahr erheblich steigt. Wichtig ist auch, jedes Jahr seine Bindung neu einstellen zu lassen und eine aktives Lösen aus der Bindung zu üben“, gibt OA Pehn wertvolle Tipps für das sicherere Pistenvergnügen.