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Basenpulver – Sinn oder Unsinn: LKH Gmunden klärt auf

Regina SpitzbartUm das Säure-Basen-Milieu konstant zu halten bzw. wiederherzustellen, wird neuerdings als Wundermittel der verstärkte Einsatz von Basenpulver empfohlen. Obwohl bereits viele Menschen zu diesem Nahrungsergänzungspräparat greifen, sind sich die meisten über Wirkung und Nutzen im menschlichen Körper nicht bewusst. Regina Spitzbart, Diätassistentin und EMB am LKH Gmunden widmet sich diesem zentralen Thema.

Der Säure-Basen-Haushalt ist das Regulationssystem des menschlichen Körpers, das besonders auf Art und Menge der verzehrten Lebensmittel reagiert. Durch einseitige oder falsche Essgewohnheiten kann der Säuregehalt kurzfristig aus dem Gleichgewicht geraten, das Regenerationssystem des Säure-Basenhaushaltes sorgt allerdings dafür, dass das Verhältnis von sauren und basischen Stoffen konstant bleibt. Störungen im Säure-Basenhaushalt können verschiedene Ursachen haben, unter anderem falsche Ernährung oder mangelnde Ausscheidung.

Körper kompensiert Säure- bzw. Basenüberschüsse

Mittels einer Urinkontrolle oder per Blutabnahme kann der Säuregehalt im Körper ermittelt werden. Wer abwechslungsreich isst, hat einen täglichen Säureüberschuss von ca. 50 bis 80 mmol. Menschen, die sich vorwiegend mit Fast Food und wenig frischem Obst und Gemüse ernähren, produzieren einen Säureüberschuss von bis zu 150 mmol täglich. Die maximale Säureausscheidungsfähigkeit der Niere unter chronisch erhöhter Säurestimulation (z. B. bei Erkrankungen) liegt bei 300 bis 400 mmol am Tag. Praktisch bedeutet das, dass bei gesunden Erwachsenen die körpereigenen Regulationssysteme auch bei einseitiger Ernährung in der Lage sind, Säuren- bzw. Basenüberschüsse zu kompensieren und mit dem Urin auszuscheiden.

Eine Ausnahme bilden allerdings ältere Menschen, Patienten mit bestimmten Erkrankungen (z. B. Entgleisungen des Diabetes, Nierenerkrankungen) und Extremsituationen (z. B. bei Hochleistungssportlern). Bei diesen Personengruppen kann es zu manifesten Schwankungen im Säure-Basen-Gleichgewicht kommen. Mit zunehmenden Alter leidet meist die Nierenfunktion, verbunden mit einer verminderten Säureausscheidungskapazität über die Niere. Bleibt der Säuregehalt der Kost gleich, ist mit einer leichten Übersäuerung des Blutes zu rechnen. Derzeit ist wissenschaftlich nicht eindeutig bestätigt, ob sich dieser Zustand negativ auf den Körper auswirkt.

Für ein Plus an Wohlbefinden und ein stabiles Säure-Basen-Milieu empfehlen manche Ärzte und Heilpraktiker die tägliche Einnahme von ein bis zwei Esslöffeln Basenpulver. Wichtig bei dieser Ernährungsform ist jedoch ein niedrigerer Verzehr von tierischem und pflanzlichem Eiweiß zugunsten von Obst, Gemüse und Fruchtsäften. Diese Empfehlungen entsprechen teilweise den allgemein gültigen Verzehrsempfehlungen für eine abwechslungsreiche und vollwertige Ernährung im Sinne der ÖGE (= Österr. Gesellschaft für Ernährung). Eine abwechslungsreiche Kost mit mäßigem Genuss von Fleisch und anderen proteinreichen Lebensmitteln weist eine unterdurchschnittlich niedrige renale Säurebelastung auf.

Wer braucht Basenpulver?

Kein gesunder Mensch muss täglich für ein Plus an basischen Lebensmitteln durch den Zusatz von Basenpulver zum Ausgleich des Säure-Basen-Haushalts sorgen. Lediglich für die bereits genannten Risikogruppen kann der Zusatz von Basenpulver möglicherweise nützlich sein. Doch wer sich nach den Regeln der ÖGE/DGE ernährt, kann auch hier ganz auf Basenpulver und Co. verzichten.

Säurebildende Lebensmittel Basenbildende Lebensmitteln
Überwiegend säurebildend sind die schwefelhaltigen Aminosäuren aus eiweißreichen Lebensmitteln:

Käse, Schmelzkäse, Fleisch, Wurst, Getreide, viele Fertiggerichte,.. 
Basenbildende Lebensmittel sind besonders reich an Kalium und anderen Mineralstoffen:

Trockenobst, Marillen, Bananen, Kartoffeln, Frisches Obst und Gemüse, Obst- und Gemüsesäfte, Nüsse,..
Quelle: Ernährung heute Nr. 1/2003