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Essen was schmeckt – trotz Diabetes

Immer mehr Menschen erkranken an Diabetes – momentan sind rund 600.000 Österreicher davon betroffen – für 2010 werden eine Million Diabetiker prognostiziert. Im Mai 2003 tagten Experten zu diesem Thema im Toscana Congress Gmunden.

Vor allem Typ II-Diabetes, die Zuckerkrankheit der Erwachsenen nimmt zu. Die Ursachen der Erkrankung sind neben einer genetischen Veranlagung vor allem im Lebensstil der Betroffenen zu suchen. „Diese Patienten sind meist übergewichtig, der Krankheitsverlauf ist schleichend, oft wird Diabetes erst im Rahmen von Gefäßkrankheiten aufgedeckt“, so Prim. Dr. Johann Ecker, Ärztlicher Direktor des LKH Gmunden. Die Verbesserung der Lebenssituation der Diabetiker gilt als eines der vorrangigen Gesundheitsziele in Oberösterreich.

Unter dem Titel „Wissen in Taten umsetzen“ versammelten sich deshalb von 15. bis 17. Mai Endokrinologen, Diabetologen, niedergelassene Ärzte, DiabetesberaterInnen und Diätassistentinnen zum Erfahrungsaustausch im Toscana Congress Gmunden. „Die Idee einer gemeinsame Veranstaltung des 8. Jahrestages der Österreichischen Gesellschaft für Endokrinologie und Stoffwechsel (ÖGES)  und der 13. Frühjahrs-Fortbildungstagung der Österreichischen Diabetes-Gesellschaft (ÖGES)  beruht einerseits auf der Nähe der Fachgebiete und in der Tatsache, dass zahlreiche Personen Mitglieder beider Fachgesellschaften sind“, erklärt Prim. Ecker, Tagungspräsident des ÖDG „andererseits sind diese Spezialgebiete als gemeinsames Zusatzfach für Innere Medizin zusammengefasst, was Synergieeffekte sowohl aus fachlicher als auch organisatorischer Sicht, hervorhebt“.

Das Leitthema der Tagung der ÖDG widmete sich der Betreuung des Diabetikers in der Praxis. „Da Diabetiker in erster Linie vom Hausarzt und niedergelassenen Internisten betreut werden, ist es wichtig, den Dialog zwischen forschender und praktizierender Medizin zu fördern und damit neueste wissenschaftliche Ergebnisse rasch in die Praxis zu transferieren“, so Prim. Ecker. In der modernen Diabetesbehandlung, vor allem bei neuen Vorschlägen zur Diabeteskost, hat sich vieles geändert. „Es ist kaum verständlich, weshalb im Jahr 2003 immer noch Broschüren verteilt werden, die in unreflektierter Weise als wesentliches Prinzip einer Diabeteskost die Vermeidung von zuckerhaltigen Speisen und eine festgelegte „BE“-Verteilung propagieren. Die Statements der Fachgesellschaften weisen bereits seit mehr als zehn Jahren aus, dass ein Zuckerverbot und die daraus abgeleitete Verwendung von Zuckeraustauschstoffen als unnötig und überholt anzusehen sind“, so die Referentin Dr. Monika Toeller vom Deutschen Diabetes Forschungsinstitut.

Die Diabeteskost nähert sich immer mehr den Richtlinien der allgemeinen, gesunden Ernährung an. Hülsenfrüchte, Obst und Getreideprodukte sind bevorzugte Kohlenhydratquellen. Leider werden Empfehlungen, wie beispielsweise mindestens einmal pro Woche eine Fischmahlzeit zu essen und mehrmals täglich frischen Obst und Gemüse zu verzehren, noch von einer unzureichenden Zahl von Diabetikern umgesetzt. Dagegen verwenden knapp 50 % der Diabetiker regelmäßig spezielle Diabetikerlebensmittel, die von den Fachgesellschaften nicht empfohlen werden. „Und dass, obwohl es keine Verbote mehr gibt“, so Prim. Ecker, „man könnte sogar ein Stück Schokolade essen und braucht keine speziellen Diabetikerprodukte, die gegenüber der Verwendung von üblichem Zucker für Menschen mit Diabetes keine nennenswerten Vorteile besitzen“.

Personenwaage ist wichtiger als die Küchenwaage

Im LKH Gmunden setzt man dieses Wissen bereits seit geraumer Zeit praktisch um. Im Diabetes-Schulungszentrum der Internen Abteilung treffen sich Patienten mit unterschiedlichen Diabetesformen um Experten in eigener Sache zu werden. Ein Schulungsteam bestehend aus Ärzten, Dipl.-Diätassistentin und Diabetesschwester gibt neben der Beratung und Schulung praktische Empfehlungen und Ernährungswissen, da eine der wichtigsten Behandlungsmaßnahmen bei Typ II-Diabetes die Gewichtsabnahme ist. Dem Einzelnen wird geholfen, die Diabeteskost mit seinem Alltag und seiner Behandlung abzustimmen, seine persönlichen Vorlieben und Gewohnheiten sollen nicht zu kurz kommen.
„Es geht darum, Empfehlungen an die spezifischen Bedürfnisse des Diabetikers individuell anzupassen, die Personenwaage ist dabei wichtiger als die Küchenwaage“, so Prim. Ecker, „die Nahrung für Diabetiker sollte sich deshalb nicht wesentlich von der unterscheiden, die für die ganze Familie empfehlenswert ist.“

Eine Diabetes-Schulung mit Regina Spitzbart
Eine Diabetes-Schulung mit Regina Spitzbart
(Dipl. Diätassistentin & EMB am LKH Gmunden)